Weiter Flug-Chaos in Indonesien wegen Vulkanausbruchs - Hunderttausende sitzen fest
Der Ausbruch des Vulkans Anak Krakatau in Indonesien hat am Montag weiter für Chaos im Flugverkehr gesorgt. Der größte Flughafen des Inselstaats, der internationale Flughafen Soekarno-Hatta nahe der Hauptstadt Jakarta, setzte den Flugbetrieb wegen der "verstärkten Eruptionsaktivität" des Anak Krakatau bis Montagabend 23.59 Uhr (Ortszeit, 18.59 Uhr MESZ) aus. Hunderttausende Passagiere saßen fest.
Insgesamt acht indonesische Flughäfen hatten den Betrieb eingestellt, nachdem der mehr als 150 Kilometer von Jakarta entfernte Anak Krakatau am Samstag ausgebrochen war und eine Wolke aus Asche und Lava ausgestoßen hatte. Tausende Flüge wurden gestrichen, am Montag saßen nach Angaben des Verkehrsministeriums schon mehr als 270.000 Menschen an Flughäfen fest.
Neben vier größeren Flughäfen blieb auch der kleinere Halim-Perdanakusuma-Flughafen, der sowohl zivile als auch militärische Flüge abfertigt, nach eigenen Angaben am Montag weiter geschlossen. Ein kleiner Flughafen auf Sumatra nahm den Betrieb nach Angaben des Ministeriums am Montagmorgen wieder auf.
Allein am Montagvormittag wurden mehr als 240 Inlands- und Auslandsverbindungen gestrichen oder hatten Verspätung, teilte der Flughafen Soekarno-Hatta mit. Flugreisenden wurde empfohlen, den Status ihrer Flüge regelmäßig bei den Fluggesellschaften zu überprüfen.
Das Verkehrsministerium kündigte zudem sechs Ausweichflughäfen an. Flugzeuge, die ursprünglich in Jakarta landen sollten, sollen dahin umgeleitet werden. "Wir rufen die Fluggesellschaften auf, diese Flughäfen zu nutzen, um Passagierstaus bei Ankunft und Abflug zu vermeiden", erklärte Verkehrsminister Dudy Purwagandhi. Für Passagiere, die von anderen Flughäfen abfliegen wollen, soll es kostenlose Busse geben. Für ausländische Passagiere, die wegen der Flugausfälle länger in Indonesien bleiben mussten, wurden zudem die Visa-Bestimmungen gelockert.
Der Italiener Michel Miegge, der mit seiner Freundin in Indonesien im Urlaub war, hätte eigentlich am Dienstag schon wieder arbeiten müssen, konnte aber nicht zurück nach Italien fliegen, weil sein Flug gestrichen wurden. "Wir haben keine Informationen von der Fluggesellschaft. Wir wissen nicht, ob wir noch einen Tag in Jakarta bleiben müssen oder einen anderen Flug finden", sagte der 32-Jährige. "Wir haben ein Hotel in der Nähe gefunden, aber viele Hotels sind schon komplett ausgebucht."
Auch der Flug der Französin Carol Odile, die auf die indonesische Insel Flores reisen will, um Komodowarane zu sehen, wurde gestrichen. "Wir sind enttäuscht, aber zuversichtlich. Wir hoffen, sehr bald nach Flores reisen zu können", sagte die 60-Jährige.
Der Sperrung des Flughafens Soekarno-Hatta war bereits am Sonntag mehrfach verlängert worden. Gestrichen wurden dort unter anderem Flüge von und nach Singapur, Doha, Sydney und Kuala Lumpur. Der Flugbetrieb am wichtigsten Airport des Landes wurde eingestellt, nachdem dort Vulkanasche in der Luft nachgewiesen worden war.
Die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs bleibe hoch, warnte Indonesiens Geologie-Behörde. Sie erwies auf den Ausstoß glühender Gesteinsbrocken, der von starkem Ascheregen begleitet werde. "Eine weitere potenzielle Gefahr geht demnach "von Lavaströmen aus, falls der Ausbruch wieder einsetzt und anhält".
Als Schutzmaßnahme gegen mögliche Gesundheitsrisiken durch die Vulkanasche in der Luft blieben in Jakarta am Montag auch die Schulen geschlossen. Die Behörden forderten zudem Schiffe auf, bei der Durchfahrt durch die Meerenge zwischen Java und Sumatra ihre Wachsamkeit zu erhöhen. In einem Umkreis von drei Kilometern um den Anak Krakatau galt eine Sicherheitszone, die Schiffe nicht durchkreuzen durften.
Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, wo mehrere tektonische Platten aufeinander treffen. Dadurch gibt es immer wieder Vulkanausbrüche und Erdbeben.
Anak Krakatau bedeutet "Kind des Krakatau". Der Vulkan tauchte erstmals 1927 über dem Meeresspiegel auf - in der Caldera, also der kesselförmigen Vertiefung, die sich durch den gewaltigen Ausbruch seines berüchtigten Vorgängers Krakatau im Jahr 1883 gebildet hatte. Durch diesen Ausbruch - einen der verheerendsten der Menschheitsgeschichte - waren 35.000 Menschen getötet worden.
W.Lindqvist--StDgbl