Südkorea: Abgeordneter bestätigt Ankunft nordkoreanischer Kriegsgefangener aus Ukraine
Inmitten diplomatischer Verstimmungen mit der Ukraine hat ein südkoreanischer Parlamentarier die Ankunft von zwei nordkoreanischen Kriegsgefangenen in Südkorea bestätigt. "Auch wenn ich das genaue Datum ihrer Ankunft in Südkorea nicht nennen kann, so kann ich doch bestätigen, dass die beiden Mitte September eingetroffen sind", erklärte der Abgeordnete Youn Kun Young am Mittwoch. Seoul hatte zuvor den ukrainischen Gesandten wegen eines mutmaßlichen Verstoßes der Ukraine gegen eine vertrauliche Vereinbarung zur Übergabe der beiden Männer einbestellt.
Die beiden Nordkoreaner seien "bei allgemein guter Gesundheit und ohne größere gesundheitliche Probleme", erklärte Youn unter Berufung auf den südkoreanischen Geheimdienst. Er fügte hinzu, die "Bereitschaft der beiden, nach Südkorea zu kommen, sei mehrfach bestätigt worden".
Anfang der Woche hatte Südkoreas Außenministerium erklärt, wegen der persönlichen Sicherheit der Betroffenen und ihrer Familien sei vereinbart worden, "die Angelegenheit vertraulich zu behandeln".
Ein weiterer Abgeordneter, Yoo Yeong Ha, erklärte am Mittwoch, es habe zwar keine Vereinbarung zwischen der südkoreanischen und der ukrainischen Regierung zur Geheimhaltung gegeben. Allerdings hätten Diplomaten beider Seiten im Zuge ihrer Kommunikation Vertraulichkeit vereinbart. "Von Beginn der Gespräche an bat die ukrainische Seite von sich aus um strikte Vertraulichkeit und verwies dabei auf mögliche Auswirkungen auf künftige Gefangenenaustausche (mit Russland)", fügte er hinzu.
Die beiden Soldaten waren im Januar vergangenen Jahres von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen worden, als sie in der Region Kursk auf russischer Seite kämpften. Anschließend wurden sie in der Ukraine inhaftiert und baten nach Angaben von Aktivisten darum, in Südkorea leben zu dürfen. Einer der beiden sagte südkoreanischen Medien, er sei im Alter von 17 Jahren eingezogen worden und habe in einer Aufklärungseinheit gedient.
Laut der südkoreanischen Verfassung gelten alle Nordkoreaner zugleich als südkoreanische Bürger. Die Regierung in Seoul hat erklärt, dass dies auch für in der Ukraine gefangene Soldaten gelte.
Ausgelöst hatte die diplomatischen Verstimmungen in Seoul der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj: Er hatte vergangene Woche in seiner Rede vor den Vereinten Nationen gesagt, sein Land habe zwei nordkoreanische Soldaten an Südkorea überstellt. Die Offenlegung dieser Information stieß in Seoul auf massiven Unmut. Südkoreas Präsident Lee Jae Myung schrieb wenige Stunden später im Onlinedienst X: "Ich weiß nicht, warum die ukrainische Seite die Vereinbarung gebrochen und die Angelegenheit öffentlich gemacht hat, aber es ist sehr enttäuschend."
Südkoreas Außenministerium teilte später mit, dem Geschäftsträger der ukrainischen Botschaft, Andrij Wieschkin, sei "die ernste Besorgnis der Regierung im Zusammenhang mit der Übergabe nordkoreanischer Kriegsgefangener übermittelt" worden. Das südkoreanische Präsidialamt forderte "eine offizielle Erklärung und eine Entschuldigung" von Kiew.
Laut dem Abgeordneten Yoo könnte Selenskyj sich zu dem Schritt entschlossen haben, um in Südkorea um Unterstützung für sein Land zu werben. Nach Einschätzung des südkoreanischen Geheimdienstes habe Selenskyj "möglicherweise in der Hoffnung" gehandelt, "dass die Entsendung der Kriegsgefangenen nach Südkorea öffentliche Unterstützung für die Bereitstellung von Waffen und anderer Hilfe für die Ukraine hervorrufen würde", sagte Yoo.
Die Spannungen könnten nun das Gegenteil bewirken: Südkorea hat der Ukraine bislang keine tödlichen Waffen geliefert und verweist dabei auf ein geltendes Verbot militärischer Unterstützung für Länder, die sich im Krieg befinden. Dennoch prüft Seoul Anfragen zu Abwehrwaffen - insbesondere seit Nordkorea seinen Verbündeten Russland mit Soldaten unterstützt.
Nordkorea ist einer der wichtigsten Unterstützer Russlands beim Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nach Erkenntnissen südkoreanischer und westlicher Geheimdienste hatte Pjöngjang im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Soldaten nach Russland entsandt, die vor allem in der Grenzregion Kursk eingesetzt wurden. Nordkorea bestätigte im April erstmals, Soldaten nach Russland geschickt zu haben. Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes wurden rund 2000 von ihnen in dem Krieg getötet.
M.Viklund--StDgbl