UN-Biodiversitätskonferenz einigt sich auf zentrale Naturschutz-Beschlüsse
Nach zwei Wochen zäher Verhandlungen haben sich die knapp 200 Teilnehmerstaaten der UN-Biodiversitätskonferenz (COP17) in Armenien auf wichtige Beschlüsse zum Schutz der Natur geeinigt. Im Plenarsaal in Eriwan brach am Freitagabend Applaus aus. Allerdings blieben Fortschritte bei einigen besonders umstrittenen Fragen begrenzt. Zum Gastgeber der nächsten Konferenz im Jahr 2028 bestimmten die Staaten Ecuador.
"Das war's. Perfekt", sagte der armenische Umweltminister und COP17-Präsident Hambardsum Matewosjan, als zwei zentrale Dokumente verabschiedet waren. Die Verhandlungen hatten länger gedauert als geplant, weitere Beratungen zogen sich bis in den Samstagmorgen. Die endgültigen Fassungen der angenommenen Texte lagen zunächst nicht vor. Unklar blieb daher, welche Vorschläge aus den zuvor kursierenden Entwürfen tatsächlich beschlossen wurden.
Eines der Dokumente betrifft eine erste weltweite Bestandsaufnahme des Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal von 2022. Darin hatten sich die Staaten auf 23 Ziele bis 2030 verpflichtet, darunter den Schutz von mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen. Laut einem UN-Bericht hinkt die internationale Gemeinschaft bei fast allen Zielen hinterher. Ein Verhandlungsentwurf forderte deshalb beschleunigte Anstrengungen gegen den Verlust der biologischen Vielfalt.
Umweltschützer reagierten erleichtert, aber zurückhaltend. Die Einigung sei "nicht besonders aufregend oder detailliert", sagte Catherine Weller von der Organisation Fauna & Flora der Nachrichtenagentur AFP. Dass die Staaten überhaupt eine Verständigung erzielt hätten, sei aber eine gute Nachricht. Kirsty Leong vom WWF International sprach von einem Ergebnis mit Stärken und Schwächen, das insgesamt positiv zu bewerten sei.
Besonders umstritten war der Abbau von Subventionen und anderen finanziellen Anreizen, die der Natur schaden, etwa für fossile Energieträger, intensive Landwirtschaft und Überfischung. Obwohl sich die Staaten verpflichtet haben, diese Förderung bis 2030 jährlich um mindestens 500 Milliarden Dollar zu verringern, fließen Schätzungen zufolge weiterhin rund 2,4 Billionen Dollar pro Jahr in solche Anreize.
Greenpeace-Vertreterin An Lambrechts sprach trotz der schwachen Formulierungen des angenommenen Beschlusses von einem wichtigen politischen Impuls zum Abbau solcher Subventionen. Ein Unterhändler aus einem Industrieland sprach dagegen von "Fortschritten im Schneckentempo".
Ein zweiter Beschluss betrifft die Finanzierung des Naturschutzes. Nach Schätzungen fehlen jährlich rund 700 Milliarden Dollar, um etwa gefährdete Arten, Wälder und Feuchtgebiete ausreichend zu schützen. Die EU drängte darauf, wirtschaftsstarke Schwellenländer wie China stärker heranzuziehen. Ein Entwurf sah vor, dass weitere Staaten sich freiwillig als Geldgeber melden könnten. Ob dies Eingang in den endgültigen Text fand, war zunächst unklar.
Auch die Zukunft des sogenannten Cali-Fonds sorgte für Streit. Er soll Unternehmen, die genetische Daten von Pflanzen und anderen Organismen nutzen, an den Kosten des Naturschutzes beteiligen. Seit seinem Start Anfang 2025 kamen jedoch nur rund 10.000 Dollar zusammen, obwohl jährlich eine Milliarde Dollar angestrebt wird.
Auch um die wissenschaftlichen Grundlagen des Artenschutzes wurde heftig gestritten. Umweltschützer warfen einigen Staaten vor, diese schwächen zu wollen. Alfred DeGemmis von der Wildlife Conservation Society kritisierte, die aus Klimaverhandlungen bekannten Blockadetaktiken hätten nun auch die Biodiversitätsgespräche erreicht.
Bei der Wahl des Gastgebers für die COP18 setzte sich Ecuador am frühen Samstagmorgen in geheimer Abstimmung mit 55 zu 53 Stimmen knapp gegen Panama durch. Das nächste Treffen soll 2028 in Quito stattfinden. Schon 2024 waren die Verhandlungen über die Naturschutzfinanzierung auf der vorherigen Konferenz in Kolumbien ohne Einigung geblieben. Erst bei Nachverhandlungen 2025 in Rom gelang ein Kompromiss.
D.Sandstrom--StDgbl