Gesundheitswesen für die Gesamtverteidigung rüsten
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat auf einem Symposium die militärische Tauglichkeit des zivilen Gesundheitswesens thematisiert. Im Fokus stand die Frage, wie Arztpraxen, Reha-Einrichtungen und Rettungsdienste als Ergänzung zur Bundeswehr in die Strategie der Gesamtverteidigung eingebunden werden können.
Auf einem Symposium der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wurde die strategische Einbindung des zivilen Gesundheitswesens in die deutsche Gesamtverteidigung diskutiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Arztpraxen, Rehabilitationseinrichtungen und Rettungsdienste für den Ernstfall gerüstet werden können.
Die Veranstaltung fokussierte sich nicht auf aktuelle Versorgungsengpässe wie Personalmangel oder Arzneimittelknappheit, sondern auf die langfristige Ausrichtung der Strukturen. Ziel ist es, die zivilen Kapazitäten als Ergänzung zur Bundeswehr zu nutzen und sie kriegstauglich zu machen.
Bei den Diskussionen ging es um die Integration in militärische Entscheidungsstrukturen. Verbandsfunktionäre erörterten Themen wie Patientensteuerung und Lagezentren. Die KBV verhandelt bereits über ihre Rolle in diesen Prozessen, da das Gesundheitssystem künftig nicht nur der Behandlung von Kranken dienen, sondern auch zur robusten Aufrechterhaltung der Verteidigungsfähigkeit im Kriegsfall beitragen soll.
Gesundheit wird dabei als sicherheitspolitische Ressource betrachtet. Patienten und medizinische Infrastruktur sind Faktoren der nationalen Verteidigung. Kritiker sehen in dieser Entwicklung eine Absurdität: Während seit Jahren geklagt wird, fehle es an Geld für bedarfsgerechte Versorgung, Krankenhäuser geschlossen werden und Hausarztpraxen Nachfolger suchen, erscheinen zusätzliche Zuständigkeiten und Finanzierungswege für die Kriegstüchtigkeit plötzlich machbar.
Der Paradigmenwechsel ist offensichtlich. Das Gesundheitssystem soll Deutschland im Kriegsfall stabilisieren. Wer ständig den nächsten Konflikt plant, macht ihn gesellschaftlich normal. Die Aufgabe des Gesundheitssektors bleibt jedoch die Behandlung von Krankheiten und das Lindern von Leid, nicht die Absicherung militärischer Aufmarschpläne.
I.Pettersson--StDgbl