Tränen beim Triumph: Kanada siegt und weint
Erst Ekstase, dann der Schock: Kanadas Fußballer sind auch ohne Anführer Alphonso Davies zu ihrem ersehnten ersten WM-Sieg gestürmt, bangen aber gleichzeitig um einen ihrer größten Leistungsträger. Beim überzeugenden 6:0 (3:0) im zweiten Gruppenspiel gegen Katar stieß der Co-Gastgeber das Tor zur K.o.-Phase weit auf, eine Horror-Verletzung von Ismael Koné verlieh der ausgelassenen Party-Stimmung im BC Place von Vancouver jedoch einen erheblichen Dämpfer.
Beim Stand von 3:0 verletzte sich der 24-jährige Mittelfeldspieler bei einem Foul von Assim Madibo (51.) augenscheinlich schwer am linken Bein, das eine deutlich erkennbare Fehlstellung aufwies. Spieler und Zuschauer waren sichtlich geschockt, der zweifache Torschütze Jonathan David musste mit Tränen in den Augen von seinen Mitspielern getröstet werden. Madibo, dem der Schock ebenfalls anzusehen war, sah nach Prüfung durch den Videoschiedsrichter die Rote Karte.
Zuvor hatten Cyle Larin (16.) und der am Ende dreifache Torschütze David (29., 45.+3) mit ihren Treffern bereits für riesige Euphorie auf den Rängen gesorgt. Der für Koné eingewechselte Nathan Saliba (63.), ein Eigentor von Mohamed Manai (75.) und erneut David (90.+2) schraubten das Ergebnis für Kanada in doppelter Überzahl noch in die Höhe - Homam Ahmed (34.) hatte bei Katar bereits in der ersten Halbzeit nach einer Notbremse die Rote Karte gesehen.
Im abschließenden Gruppenspiel gegen die punktgleiche Schweiz am 24. Juni kann sich Kanada nun sogar den ersten Platz in der Gruppe B sichern. Das wäre nicht unbedeutend: Der Sieger der Staffel spielt sowohl sein Sechzehntel- als auch ein mögliches Achtelfinale in Vancouver.
Auch ohne Bayern-Profi Davies, der nach überstandener Oberschenkelverletzung erstmals seit März 2025 im kanadischen Kader stand, hatten die Gastgeber schnell die Kontrolle übernommen. Dass sie angepeitscht von knapp 50.000 Fans teilweise etwas übermotiviert agierten? Geschenkt. Spätestens nach Larins Treffer, der nach einem gehaltenen Schuss von Davies-Ersatz Richie Laryea eiskalt abstaubte, waren "Les Rouges" im Spiel angekommen.
Beim Auftakt gegen Bosnien und Herzegowina (1:1) hatte der 31-Jährige seinem Team noch als Joker einen Punkt gerettet. Im Anschluss hatte es vor allem am unglücklichen David, eigentlich klarer Stürmer Nummer eins, Kritik gegeben. Marsch hatte daraufhin betont, man solle sich "anschnallen", der Profi von Juventus werde schon treffen. Gesagt, getan: Erst traf der 26-Jährige sehenswert per Volley aus der Drehung, dann per Abstauber.
Von Katar war da schon längst nichts mehr zu sehen, die kanadischen Fans ließen ihrer Freude freien Lauf. Nach der Verletzung von Koné aber kehrte zunächst aber eine erdrückende Stille ein, unter Sprechchören und Applaus wurde der Sechser schließlcih vom Platz getragen und winkte dabei den Zuschauern zu. Saliba hielt nach seinem Treffer das Trikot seines Mitspielers in die Höhe.
D.Fransson--StDgbl